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Das Siebengebirge

 

Gegenüber der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn auf der rechten Rheinseite liegt das Siebengebirge, das älteste deutsche Naturschutzgebiet und der erste Naturpark in Nordrhein-Westfalen. Es erhebt sich im Winkel zwischen Rhein und Sieg am Austritt des großen Stromes aus dem Mittelgebirge in die ab Bonn immer breiter werdende Rheinische Tiefebene. Es ist das am nördlichsten gelegene Bergland am Rhein.

Geprägt wird es von nahezu vierzig bewaldeten Hügeln und Kuppen. Aber nur sieben treten durch ihre Höhe ganz besonders hervor: Drachenfels 327m, Petersberg 332m, Wolkenburg 324m, Nonnenstromberg 335m, Lohrberg 435m, Löwenburg 455m und als höchster der Große Ölberg mit 461 Meter. Diese vulkanischen Kuppen entragen dem Plateau des Rheinischen Schiefergebirges. Die Bildung des vulkanischen Siebengebirges, das einen Durchmesser von 6 bis 7 Kilometer hat, fand im mittleren Tertiär statt.

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Der Name Siebengebirge kommt nicht von den sieben Bergen, denn in Wirklichkeit sind es an die 40, sondern vermutlich von "Siefen", den schluchtartigen in Ost-West-Richtung verlaufenden Bachtälern. Die Fläche des Naturparkes beträgt heute 42 km2.

  Einer der Siefen (tiefe Bachtäler), die dem Siebengebirge wahrscheinlich den Namen gaben. Foto: VVS

Das Siebengebirge ist über die Bundesautobahn Köln-Frankfurt, über die rechts- und linksrheinisch verlaufenden Bundesstraßen sowie über die in Ost-West-Richtung verlaufenden Landstraßen zu erreichen. Der Naturpark ist ein stark besuchtes Nah- und Wochenenderholungsgebiet für die im Rheintal lebende Bevölkerung und die aus den Ballungsgebieten Rhein und Ruhr kommenden Besucher.


Schon der große deutsche Dichter Ferdinand Freiligrath bezeichnete es schwärmerisch als "Paradies auf Erden". Der Volksmund begnügte sich mit dem Namen "Rheinische Alpen" :-). Heute fasziniert das Siebengebirge die Besucher durch seine ursprüngliche Schönheit, seine romantische Rhein-Kulisse sowie durch eine reichhaltige Flora und Fauna.

  Blick von der Löwenburg auf Siebengebirge und Rheintal

Die Lage der Sieben aus der Vogelperspektive

Historische Entwicklung*

Die erste nennenswerte Besiedlung erfolgte durch lllyrer. Vorher, in der Eiszeit und während der älteren Steinzeit, scheint das Gebirge nur an vereinzelten Stellen bewohnt gewesen zu sein. Jüngste Ausgrabungen während des Baus der ICE-Neubaustrecke lassen weitere interessante Rückschlüsse auf des Siedlungsverhalten und technische Details während der Eisenzeit vor ca. 2000 Jahren zu.

Nach den Kelten und Germanen kamen die Römer. Sie erkannten den Wert des Trachyt (Drachenfels), schufen Ziegelbäckereien, deren Produkte für die Festungsbauten (Bonn und Köln) benötigt wurden. Während der ersten Jahrhunderte nach Christus sorgten dann ripuarische Franken für eine dichtere Besiedlung. Nach dem 10. Jahrhundert wurde das Waldgebirge stellenweise gerodet. Die ersten Klostergründungen sowie die Errichtungen von Burgen fallen in das 12. Jahrhundert.

Das Siebengebirge ist uraltes Siedlungsgebiet. Am Kuckstein wurde in einem Doppelgrab der Oberkasseler Mensch, ein Vertreter aus dem Jungpaläolithikum gefunden. Aus der Bronzezeit stammen die Hügelgräber auf dem Ennert beim Fovauxhäuschen. Kelten errichteten auf dem Petersberg eine Fliehburg (500 v. Chr.) Eine frühmittelalterliche Fliehburg der Germanen befindet sich über dem Schmelztal (Kitzenhardt). Bearbeitungsspuren weisen auf die Steinbruchtätigkeit der Römer am Drachenfels (Rüdenet) hin.

Im Waldgebirge sind während des Mittelalters kleinere Privatwaldungen bekannt, genannt Rahmenbüschen, die die Rahmen (Weinbergpfähle) zum Hochbinden der Reben lieferten.

Den Klöstern Stromberg (1134) und Heisterbach (1192) fiel eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Erschließung zu. Die Trachyte des Drachenfels, die bereits von den Römern gebrochen und zur Errichtung ihrer Steinbauten verwendet wurden, dienten im Mittelalter dem Bau zahlreicher romanischer und gotischer Kirchen. Der Rhein bot für das Gestein einen vorzüglichen Transportweg.

Wie die Klöster, so sind auch die Burgen, die Löwenburg, Burg Drachenfels oder die Wolkenburg, im 12. Jahrhundert errichtet worden. Die Löwenburg diente dem Grafen von Sayn zum Schutz gegen Kurköln. Später wurde sie Mittelpunkt der kleinen Herrschaft Löwenburg mit dem Hauptort Honnef. Auf dem Drachenfels stand eine im Dreißigjährigen Krieggeschleifte Burg der Kölner Erzbischöfe zum Schutz des Verbindungsweges zwischen Rheintal und Westerwald. Die auf halber Höhe stehende Drachenburg wurde erst 1879 - 1885 errichtet. Auf der Wolkenburg sicherte eine Burg der Kölner Erzbischöfe das Land gegen die Grafen von Sayn.

Im 19. Jahrhundert war das Gebirge verunstaltet und in seinem Bestand stark bedroht. Initiativen zu Beginn des 19. Jahrhunderts während der Romantik ist es zu verdanken, daß 1836 der preußische Staat die von einem Steinbruchbetrieb bedrohte Kuppe des Drachenfels erwarb und 1853 die Erhaltung des Laubholzbestandes anordnete.

1866 wurde der Verein zur Rettung des Siebengebirges und 1869 der Verschönerungs-Verein für das Siebengebirge (VVS) gegründet, der Gelände ankaufte und sich die Pflege des Waldes zum Ziel setzte. 1922 wurde das Siebengebirge zum Naturschutzgebiet erklärt, 1958 zum ersten nordrhein-westfälischen Naturpark. Die Auszeichnung mit dem Europa-Diplom unterstreicht in besonderem Maße die Bedeutung dieser einmaligen Landschaft am Rheinstrom.

*Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der
Stadtforum Bad Honnef GmbH

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